Diese Szenarien kennen viele Unternehmer:
- Eine Führungskraft fällt aus und die Position ist plötzlich unbesetzt.
- Oder: Ein großes Projekt steht vor der Tür und die hauseigenen Kapazitäten sind erschöpft.
- Oder: Ein Projekt „geht durch die Decke“ und das Team kommt bei den anstehenden Veränderungen an seine Grenzen.
Alle drei Situationen bedeuten: Jemand kommt zusätzlich ins Team.
Stellt sich nur die Frage: Wer soll dieser „jemand“ sein? Soll eine neue Person fest angestellt oder wäre ein Interim Manager die bessere Wahl?
Die Antwort hängt vor allem von der Aufgabenstellung und dem Zeithorizont ab.
Hier eine Tabelle zur schnellen Übersicht:
| Kriterium | Interim Management | Klassisches Recruiting |
| Ziel | Lösung einer konkreten Aufgabe oder Übergangssituation | Dauerhafte Besetzung einer Position |
| Startzeitpunkt | Oft innerhalb weniger Tage möglich | Häufig mehrere Wochen oder Monate |
| Einsatzdauer | Befristet und projektbezogen | Langfristig angelegt |
| Fokus | Umsetzung, Stabilisierung, Veränderung | Aufbau einer langfristigen Zusammenarbeit |
| Verantwortung | Übernimmt rasch operative Führungs- oder Fachverantwortung | Einarbeitung in Prozesse und Strukturen erforderlich |
| Typische Anlässe | Vakanzüberbrückung, Transformation, Restrukturierung, Sonderprojekte | Nachfolgeplanung, Wachstum, dauerhafter Personalbedarf |
| Perspektive | Externer Blick auf Prozesse und Herausforderungen | Entwicklung innerhalb der bestehenden Organisation |
| Vertragsmodell | Zeitlich begrenztes Mandat | Unbefristetes oder befristetes Arbeitsverhältnis |
| Ende des Einsatzes | Nach Erreichen des definierten Ziels | Bestandteil der langfristigen Unternehmensentwicklung |
Der unterschiedlichen Ansätze von Recruiting vs. Interim Management
Klassisches Recruiting verfolgt das Ziel, eine Position dauerhaft zu besetzen. Gesucht wird dann eine Person, die langfristig Teil des Teams wird, die Unternehmenskultur mitprägt und ihre Rolle über Jahre hinweg einnimmt und sich in der Organisation weiterentwickelt.
Interim Management folgt einem anderen Gedanken. Hier übernimmt eine erfahrene Führungskraft oder ein Spezialist eine klar definierte Aufgabe auf eine bestimmte Zeit. Der Fokus liegt auf einer konkreten Herausforderung, einem Projekt oder einer Übergangsphase.
Wieviel Zeit ist bis zum Einsatz?
Einer der größten Unterschiede zeigt sich beim Start der Zusammenarbeit mit der neuen Führungskraft.
Recruiting-Prozesse ziehen sich häufig über mehrere Monate. Man muss Stellenausschreibungen schalten, Unterlagen sichten, eine Auswahl treffen und Bewerbungsgespräche (oft über mehrere Wochen) führen. Sind alle Hürden genommen und die Verträge unterschrieben, folgt die Zeit des Onboardings. Bis die Führungskraft voll eisatzfähig und im Team etabliert ist, vergeht viel Zeit.
Ein Interim Manager kann oft innerhalb weniger Tage oder Wochen starten. Das verschafft dem Unternehmen einen enormen Zeitvorsprung und Handlungsspielraum, wenn wichtige Entscheidungen anstehen oder operative Aufgaben rasch übernommen werden müssen.
Verantwortung: allmählich oder vom ersten Tag an?
Neue fest angestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen sich zunächst in Prozesse, Strukturen und Abläufe ihres Arbeitgebers einarbeiten. Das ist völlig normal und Teil einer langfristigen Zusammenarbeit.
Interim Manager hingegen werden für eine konkrete, klar umrissene Aufgabe engagiert. Sie bringen Erfahrung aus vergleichbaren Situationen mit und übernehmen rasch die volle Verantwortung für ihren Bereich. Gerade in einer Finanzabteilung kann das beispielsweise bei einer Restrukturierung, einer ERP-Einführung, einer Due Diligence oder während einer Vakanz in der Finanzleitung entscheidend sein.
Blickwinkel: von innen oder von außen?
Bei einer Festanstellung steht die langfristige Integration in das Unternehmen im Vordergrund. Auch wenn am Anfang noch eine gewisse Außensicht vorhanden ist, überwiegt bald die Unternehmensperspektive.
Interim Manager kommen mit einer externen Perspektive ins Unternehmen und legen diese nicht ab. Dadurch erkennen sie Zusammenhänge, die intern oft über Jahre gewachsen sind und deshalb kaum noch hinterfragt werden. Diese Außensicht kann wertvolle Impulse liefern, wenn es darum geht, Prozesse anzupassen oder Entscheidungen zu treffen.
Kosten richtig einordnen
Klar: Zwischen dem Tagessatz eines Interim Manager und einer festangestellten Führungskraft liegen deutliche Unterschiede. Auf den ersten Blick erscheint daher Interim Management kostenintensiver als eine Festanstellung.
Es zeigt sich aber, dass unterschiedliche Leistungen eingekauft werden: Ein neues, fix angestelltes Teammitglied ist das Ergebnis einer auf eine langfristige Zusammenarbeit ausgerichteten Personalentscheidung. Beim Interim Management bekommt ein Unternehmen sofort die notwendige Expertise für einen klar definierten Zeitraum. Die Kosten entstehen daher zielgerichtet für eine konkrete Aufgabe und enden mit Abschluss des Mandats.
Wann Interim Management, wann klassisches Recruiting?
Recruiting bietet sich an, wenn eine Funktion dauerhaft besetzt werden soll und ausreichend Zeit für die Personalsuche vorhanden ist.
Interim Management ist dann die beste Lösung, wenn ein Unternehmen kurzfristig eine erfahrene Führungspersönlichkeit mit speziellem Fachwissen und Umsetzungskraft benötigt.
Fazit
Recruiting und Interim Management verfolgen unterschiedliche Ziele. Während die Festanstellung auf langfristigen Aufbau ausgerichtet ist, schafft Interim Management einen kurzfristigen Zugang zu einer Person mit Expertise und Umsetzungskompetenz, die schnell Verantwortung übernehmen kann.
Weiter informieren: Interim Manager finden – so läuft die ideale Suche.
Foto: Chalo Garcia / unsplash

