Ich freue mich sehr über die Auszeichnung zum Interim Manager of the Year 2026, die ich vor einigen Wochen vom Steinbeis Institut verliehen bekommen habe. Trotzdem würde ich die Frage in der Überschrift – Ist der Interim Manager of the Year auch automatisch der beste Interim Manager? – mit “nicht unbedingt” beantworten.
Warum? Ganz einfach: Der beste Interim Manager existiert nicht. Es gibt ihn vermutlich ebenso wenig wie den besten Steuerberater, den besten Geschäftsführer oder den besten Unternehmensberater.
Ob jemand für ein Unternehmen die beste Wahl ist, entscheidet sich an den Aufgabenstellungen und der jeweiligen Situation. (Oliver Strass)
Ein Interim CFO, der kurzfristig eine vakante Finanzfunktion übernimmt, braucht andere Schwerpunkte als jemand, der ein festgefahrenes Projekt wieder auf Kurs bringen oder ein Unternehmen durch eine schwierige Phase begleiten soll.
Ein Titel löst keine Probleme
Unternehmen holen mich üblicherweise als Problemlöser. Das Feld dafür ist weit:
- wenn eine Aufgabe auf dem Tisch liegt, die sich im normalen Tagesgeschäft schwer bewältigen lässt
- wenn eine Führungsposition plötzlich unbesetzt ist
- wenn es im Controlling keinen vollständigen Überblick/Durchblick gibt
- wenn ein bestimmtes Projekt seit Monaten kaum weitergeht
- wenn die Geschäftsführung bei wichtigen Entscheidungen zusätzliche Unterstützung benötigt
Und dann gibt es jene Spezialthemen, bei denen größtmögliches Fingerspitzengefühl gefordert ist: Im Unternehmen wissen alle längst, dass „etwas getan werden“ müsste. Irgendwie sind die Abläufe so festgefahren, dass sie zwar klappen, aber nur noch mit vielen Umwegen. Oder es gibt Aufgaben, für die sich niemand zuständig fühlt bzw. sind die Zuständigkeiten mit der Zeit unübersichtlich geworden. Oder – schon fast ein Klassiker – das Reporting produzierte riesige Datenmengen, aber wenig brauchbare Information für das Management.
Solche Themen gibt es in vielen Unternehmen und in allen, in denen ich als Interim Manager gerufen werde.
Viel wichtiger als der Titel „Interim Manager of the Year 2026“ ist für meine Auftraggeber, ob ich als Interim CFO in kurzer Zeit erfassen kann, wo der Schuh drückt, ob ich die relevanten Personen ins Boot bekomme und ob auf Zahlenanalysen schließlich konkrete Schritte folgen.
Interim Manager mit langer Erfahrung: vor allem bei schwierigen Mandaten hilfreich
Ich arbeite seit rund 30 Jahren im Finanzbereich und seit vielen Jahren als Interim Manager. In dieser Zeit habe ich sehr unterschiedliche Unternehmen, Branchen, Eigentümerstrukturen und Aufgabenstellungen kennengelernt. (Lesen Sie hier alles über meine bisherigen Projekte.)

Der beste Interim Manager nimmt das Unternehmen genau unter die Lupe. (Foto: Markus Winkler/unsplash)
Im Laufe all dieser Jahre hat sich mein Blick auf ein Unternehmen geschärft.
- Wenn ich ein neues Mandat beginne, lehrt mich meine Erfahrung, wo ich genau hinschauen muss.
- Ich bemerke rasch, wenn die Zahlen nicht mit der operativen Realität eines Unternehmens zusammenpassen.
- Ich kann sehr schnell einschätzen, um welche Probleme ich mich sofort kümmern muss und welche zwar unangenehm, aber vorerst weniger dringlich sind.
Gerade bei kniffligen Projekten ist diese Erfahrung wertvoll, weil ein Interim Manager häufig in Situationen gerufen wird, in denen es keine einfache Standardlösung gibt. Dann nützt es auch nichts, wenn ich eine Strategie, die sich in einem Unternehmen bereits bewährt hat, kenne. Mit ziemlicher Sicherheit passt sie auf das neue, knifflige Projekt nicht.
Problemlöser ist keine besonders elegante Berufsbezeichnung, aber eine gute
Der Begriff Problemlöser beschreibt ziemlich gut, weshalb Unternehmen einen Interim Manager engagieren: zum Lösen bestimmter Probleme oder Aufgaben. Ein Problemlöser sollte allerdings nicht mit jemandem verwechselt werden, der nach wenigen Tagen ein fertiges Konzept präsentieren kann. Bevor nämlich an eine Lösung auch nur gedacht werden kann, muss man klären, welches Problem im Vordergrund steht. Klingt einfach, ist es aber nicht.
Ein und dieselbe Situation kann sich in den Augen der Geschäftsführung ganz anders darstellen als in den Augen der Finanzabteilung, des Vertriebs oder der Produktion. Was für eine Abteilung beispielsweise ein umständlicher, über viele Jahre gewachsener Prozess ist, kann an einer anderen Stelle erhebliche finanzielle Folgen nach sich ziehen.
Zu einem guten Interim-Mandat gehört deshalb immer auch, alle Perspektiven einzunehmen, die notwendigen Informationen zusammenzutragen und daraus eine komplette Gesamtsicht zu entwickeln.
Aufgeschobene Themen haben plötzlich eine Deadline
Viele Probleme, mit denen ich in meinen Mandaten zu tun habe, bestehen schon über einen längeren Zeitraum. Viele von ihnen wurden auch schon erkannt, analysiert und mehrfach besprochen. Was sich damit änderte? Sie ahnen es schon: nichts.
- Das Tagesgeschäft hatte immer Vorrang.
- Ein anderes Projekt war dringender.
- Es gab keine Kapazitäten, um das Thema intern weiterzuverfolgen.
Ein Interim Manager bringt schon allein dadurch mehr Bewegung ins Spiel, weil er für eine ganz bestimmte Aufgabe und einen begrenzten Zeitraum ins Unternehmen geholt wird. Sein Auftrag besteht nicht darin, das Problem noch einmal ausführlich zu beschreiben, sondern es so weit voranzubringen, dass das Unternehmen danach besser aufgestellt ist als zuvor.

Der beste Interim-Manager ist der, der Bewegung ins Unternehmen bringt und festgefahrene Muster aufbricht. (Foto: Sunder Muthukumaran/unsplash)
Die Frage sollte daher nicht lauten: Wer ist der beste Interim Manager?
Sondern: Ist ein Interim Manager die beste Lösung, wenn es interne Probleme zu lösen gibt?
Und diese Frage ist eindeutig mit Ja zu beantworten.
Was bedeutet die Auszeichnung für meine Kunden?
Die Wahl zum Interim Manager of the Year 2026 ist für mich eine schöne Anerkennung meiner bisherigen Arbeit und natürlich auch eine Bestätigung der Qualität meiner Arbeit, über die ich mich sehr freue.
Am Ende eines Mandats zählt aber etwas anderes: ob ein Problem gelöst, ein Projekt weitergebracht, eine Situation auf Schiene ist oder eine Geschäftsführung wieder mit besseren Entscheidungsgrundlagen arbeiten kann.
Daran sollte ein Interim Manager gemessen werden, aber nicht an seinem Titel.
In diesem Blog finden Sie Antworten auf – unter anderem – diese Fragen:
1. Woran erkennt ein Unternehmen einen guten Interim Manager?
Ein guter Interim Manager bringt natürlich fachliche Erfahrung mit und zusätzlich kann er sich rasch in neue Strukturen einarbeiten, Prioritäten richtig setzen und auch unter Zeitdruck wichtige Entscheidungen aufgleisen. Ebenso wichtig ist, dass er mit dem bestehenden Team arbeiten kann, ohne sich in internen Zuständigkeiten oder langjährigen Diskussionen zu verlieren. Referenzen, bisherige Mandate und ein ausführliches Erstgespräch geben den Ausschlag dafür, ob ein Interim Manager der beste für das jeweilige Unternehmen ist.
2. Für welche Aufgaben lohnt sich ein Interim Manager besonders?
Interim Management eignet sich vor allem für Aufgaben, die zeitlich begrenzt sind, wo es um eine zusätzliche Führungskapazität geht oder wo Projekte intern seit längerer Zeit kaum vorankommen. Dazu zählen z. B. vakante Führungspositionen, haarige Finanz- und Controllingthemen, Reorganisationen, ERP-Projekte oder Situationen, in denen das Management für einen bestimmten Zeitraum einen Menschen mit zusätzlicher Erfahrung brauchen kann. Entscheidend ist, dass der Auftrag und der Verantwortungsbereich möglichst konkret definiert werden.
3. Wie schnell kann ein Interim CFO in einem neuen Unternehmen produktiv arbeiten?
Ein erfahrener Interim CFO beginnt bereits in den ersten Tagen damit, Zahlen, Prozesse, Zuständigkeiten und die wichtigsten Ansprechpartner zu durchleuchten. Wie rasch erste Maßnahmen umgesetzt werden können, hängt allerdings von der Ausgangssituation ab. Ein überschaubares Reportingproblem lässt sich schneller bearbeiten als eine komplexe Restrukturierung oder ein festgefahrenes Transformationsprojekt. Ziel ist deshalb weniger ein spektakulärer Schnellschuss als ein zügiger Einstieg mit sinnvoll gesetzten Prioritäten.
Titelbild: Giorgio Trovato/unsplash





