Was mich als CFO bewegt und was Entscheider wissen sollten.
Interim Manager Oliver Strass - Certified Interim Management Experte
Interim Management hilft Unternehmen in der Wirtschaftskrise

Interim Management in der Wirtschaftskrise

Jetzt handeln, so lange noch Spielraum bleibt

Eine Wirtschaftskrise gehört zu den äußeren Faktoren, die ein Unternehmen in unruhige Gewässer führen können. Aber was ist mit den internen Faktoren? Als Interim Manager mit mehr als 15 Jahren Erfahrung weiß ich: Es sind die Versäumnisse im eigenen Haus, die in stürmischen Zeiten für eine unangenehme Schieflage sorgen. Fehlende Zahlen, vertagte Entscheidungen, offene Forderungen etc. In diesem Beitrag erfahren Sie, wo viele Unternehmer den Überblick als Erstes verlieren und warum man eine fundierte Hilfe von außen besser vor dem Bankgespräch ins Haus holt als danach.

Über 6.800 Unternehmensinsolvenzen (2025) markieren einen historischen Höchstwert in Österreich. Hinter vielen dieser Fälle stehen aber weder überraschenden Schicksalsschläge von außen, noch unvorhersehbare geopolitische Entwicklungen. Als Interim CFO habe ich Einblick in viele Unternehmen und ich sehe vor allem eines: operative Ursachen.

Ich sehe Finanzierungsschwierigkeiten, Liquiditätsengpässe, mangelhaftes Controlling, Planungsschwächen, schlechte Kostenstrukturen, schleppendes Forderungsmanagement oder auch einen schwachen Absatz.

Für viele Betriebe ist meine Diagnose deshalb bitter, weil sie erkennbar gewesen wäre, wenn man genau hingeschaut hätte. Ja, wir leben in einer wirtschaftlich gebeutelten Zeit. Und ja, die Krisen der vergangenen Jahre haben überall ihre Spuren hinterlassen. Aber viele Unternehmen wurden von Corona, den steigenden Energiepreisen, der Inflation und hohen Finanzierungskosten irgendwie „kalt erwischt“. Dazu kommt der Transformationsrückstand in Hinblick auf Digitalisierung und künstlicher Intelligenz, gewürzt mit einer großen Prise Unsicherheit aufgrund geopolitischer Umwälzungen. Das Tagesgeschäft 2026 ist nicht mehr mit jenem zu vergleichen, das wir aus früheren Zeiten kennen. In vielen Unternehmen wurde dadurch viel punktuell gearbeitet und Maßnahmen wurden gesetzt, aber immer seltener wurde wirklich effizient gesteuert.

Wirtschaftskrise: interne Probleme rücken stärker in den Vordergrund

47 Prozent der Insolvenzen gehen inzwischen auf operative Ursachen zurück, schreibt das Magazin economy. Auch ich als Interim Manager sehe, dass die Probleme häufig im Inneren des Unternehmens entstehen oder dort zumindest eskalieren. Meistens fehlt es an Transparenz über die Unternehmenszahlen. Das wäre aber vermeidbar, denn die Daten sind ja vorhanden, nur werden sie nicht richtig genutzt. Die Folgen: Entscheidungen werden zu spät getroffen, Kosten laufen davon und die Liquidität wird erst dann zum Thema, wenn die Bank bereits Druck macht. Ein Teufelskreis setzt sich fort, denn bei sinkender Bonität werden Investitionen auf die lange Bank geschoben, Personalentscheidungen hinausgezögert, Kreditlinien ausgereizt, offene Forderungen geduldet. Auf dem Papier sieht das oft noch beherrschbar aus. Operativ wird der Spielraum von Monat zu Monat kleiner.

Liquidität, Kosten, Controlling: die heiklen Stellen im Unternehmen

Wenn ich als Interim CFO in ein Unternehmen komme, stelle ich immer folgende Führungsfragen:

  • Gibt es verlässliche Zahlen?
  • Gibt es ein funktionierendes Reporting?
  • Werden Abweichungen rasch erkannt?
  • Ist ersichtlich, welche Produkte, Kunden oder Bereiche gute Ergebnisse bringen?

In guten Zeiten kaschiert Wachstum viele Schwächen. In schlechten Zeiten sieht man sehr schnell, ob ein Unternehmen kaufmännisch ordentlich geführt wird.

Interim Management: schnelle Hilfe mit Blick von außen

Für österreichische Unternehmen steht es derzeit mitunter „Spitz auf Knopf“. Wer in dieser Phase wartet, bis sich die Liquidität wieder von allein berappelt, verschenkt wertvolle Zeit. Interim Management kann in Krisenzeiten rasch seine Wirkung entfalten, weil die Einarbeitungszeit kurz ist und das Mandat auf ein konkretes Ergebnis ausgerichtet wird. Ein erfahrener Interim CFO bringt den Blick von außen mit, prüft Zahlen, führt Gespräche und analysiert Strukturen und Abläufe. Er schafft schnell die nötige Transparenz, priorisiert Maßnahmen und übernimmt auch operativ Verantwortung. Er coacht nicht, sondern packt an.

Mit einem Interim Manager an Bord steuern Unternehmen auch gut durch stürmische Gewässer in der Wirtschaftskrise

Foto: Canva

Achtung: Operative Schwächen werden in Krisenzeiten teuer

Viele Unternehmen haben in den vergangenen Jahren enorme Energie darauf verwendet, den Betrieb am Laufen zu halten. Lieferketten, Preissteigerungen, Personalmangel, neue Technologien, steigende Finanzierungskosten – all das bindet Managementkapazitäten. Aber was bräuchten Unternehmen in der Krise stattdessen? Richtig: mehr Steuerung, bessere Zahlen und kürzere Entscheidungswege.

Fehlen diese Grundlagen, entstehen typische Folgeschäden:

  • Entscheidungen werden nach Bauchgefühl getroffen
  • die Geschäftsführung erfährt zu spät, welche Bereiche Verluste schreiben
  • Banken erhalten unklare Unterlagen
  • Lieferanten werden unruhig
  • Führungskräfte diskutieren Einzelprobleme
Im Zuge einer Restrukturierung wird das ganze Unternehmen neu aufgesetzt

Foto: Canva

Die Restrukturierung beginnt vor der eigentlichen Restrukturierung

Der Begriff Restrukturierung klingt für viele Unternehmen nach Alarmstufe Rot. Das stimmt aber nicht immer. Sobald an den Kosten, Prozessen, Zuständigkeiten, Liquiditätsplanung und der kaufmännischen Steuerung Veränderungen vorgenommen werden, beginnt schon die Restrukturierung.

Aus 30 Jahren Management weiß ich: Je früher externe Unterstützung geholt wird, desto größer sind die Optionen, die einem Unternehmen zur Verfügung stehen.

Prävention statt Feuerwehr

Die wichtigste Botschaft lautet daher: Interim Management ist eine hervorragende Präventionsmaßnahme, die Unternehmen nutzen sollten, sogar oder gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise.

Der wichtigste Vorteil von Interim Management in der Wirtschaftskrise: Eine externe Führungskapazität bringt die Zahlen in Ordnung, bevor die Bank Druck macht bevor Liquidität kritisch wird, bevor Restrukturierung alternativlos erscheint.

Interim Manager kommen für eine Aufgabe, bleiben für eine definierte Zeit und werden am Ergebnis gemessen. Sie bringen keinen internen Stallgeruch mit und müssen keine Karriere im Unternehmen absichern. Das erleichtert manches Gespräch, das intern lange vertagt wurde.

Führung auf Zeit mit dauerhaftem Nutzen

Interim Management kann keine schlechte Unternehmensführung dauerhaft ersetzen. Ein Interim Manager kann aber in wichtigen Phasen eine Führungsrolle übernehmen, Transparenz schaffen und Maßnahmen umsetzen, für die intern zu wenig Zeit oder Erfahrung vorhanden ist.

Österreichs Unternehmen werden auch in den kommenden Monaten mit hohen Kosten, schwieriger Finanzierung, Digitalisierungsschritten und unsicheren Märkten umgehen müssen. Wer dabei nur auf das Tagesgeschäft schaut, riskiert operative Probleme. Wer aber früh handelt, hält sich alle Optionen offen.

Welche internen Probleme führen laut den Quellen am häufigsten zu Insolvenzen?

In wirtschaftlich schwierigen Zeiten führen vor allem eine mangelhafte kaufmännische Führung und fehlende Steuerungsinstrumente dazu, dass operative Spielräume von Monat zu Monat schrumpfen.

Wie lässt sich die kaufmännische Transparenz schnell erhöhen?

Vor allem müssen die vorhandenen Daten konsequent aufgearbeitet werden, am besten mit dem Einsatz externer Expertise und der Sicht von außen.

Wann ist der ideale Zeitpunkt, externe Unterstützung zu holen?

Der ideale Zeitpunkt, externe Unterstützung zu holen, ist: so früh wie möglich, solange das Unternehmen noch über operativen Spielraum verfügt. Dabei gilt die Devise: “Prävention statt Krisenfeuerwehr”. Interim Management sollte idealerweise als Präventionsmaßnahme genutzt werden.

Oliver Strass Interim CFO - Azzurro Interim

Über den Autor: Oliver Strass ist Interim Manager und CFO mit über 20 Jahren Erfahrung im Finanzbereich. Er ist seit mehr als einem Jahrzehnt in leitenden Interim-Mandaten tätig. Darüber hinaus ist er Autor verschiedener Fachpublikationen zu Finanzmanagement, Controlling und Unternehmenssteuerung sowie Mitgründer und Partner der Sozietät dieSaremas.

2026 wurde er von der Steinbeis Augsburg Business School zum “Interim Manager of the Year” gewählt.

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