Wissen Sie, welche Aussage ich als Interim Manager sehr oft in Unternehmen höre?
„Wir haben gedacht, die Phase geht vorbei. Wir schaffen das schon irgendwie.“
Dieser Satz gilt vielleicht für die Kindererziehung, wo er durchaus eine Berechtigung hat. Im Business-Kontext ist er brandgefährlich. Lassen Sie mich erklären, warum:
Die meisten Unternehmen begeben sich dann auf die Suche nach einem Interim-CFO, wenn der Druck so groß ist, dass man ihn nicht mehr ignorieren kann. Das ist nicht der richtige Zeitpunkt, denn wenn der Hut brennt, ist es meiner Meinung nach zu spät.
Probleme rechtzeitig richtig deuten
Als Interim CFO und auch aus der Perspektive als Provider kann ich eines mit Sicherheit sagen: Kritische Entwicklungen im Finanzbereich kündigen sich nicht mit wehenden Fahnen an. Es gibt nicht diesen einen Moment, in dem ein Unternehmen sagen kann: Ab heute haben wir ein Problem.
Stattdessen verschlechtert sich die Situation in kleinen Schritten:
- Bei wichtigen Entscheidungen kommt es zu Verzögerungen,
- die Liquidität wird ein heikles Thema und
- das Unternehmen kann nicht mehr aktiv gesteuert werden.
All das wirkt zunächst nicht tragisch. Unternehmer gehen davon aus, dass sich die Situation wieder einrenkt, sobald ein oder zwei spezielle Projekte abgeschlossen sind oder sich die Auslastung im Team wieder normalisiert. Ich verstehe das. Sie sind trotzdem auf dem falschen Pfad.

“In den meisten Fällen regeln sich Probleme in der Finanzabteilung nicht von allein. Im Gegenteil: Es entsteht eine Dynamik, die sich kaum durch interne Maßnahmen bremsen lässt”, erklärt Oliver Strass mit Blick auf seine Interim-CFO Praxis.
Warum warten Unternehmen zu lange, bis sie einen Interim CFO engagieren?
Was ich in Projekten immer wieder sehe, ist, dass es nicht an der Kompetenz im Team mangelt, sondern am richtigen Timing. Viele Unternehmer denken: Ein Interim CFO zu einem frühen Zeitpunkt, wenn die ersten Verwerfungen beginnen, ist Geldverschwendung.
Meine Empfehlung: Wenn Sie zu lange warten, wird es noch viel teurer. Dann bekommen Sie zusätzlich zu Liquiditätsengpässen und zum Zeitdruck auch Probleme mit der Stimmung in Ihrer Belegschaft.
In weiterer Folge bleiben notwendige Veränderungen liegen und Projekte geraten ins Stocken. Der Beginn einer Negativ-Spirale, die sich nur mit größter Anstrengung – wenn überhaupt – aufhalten lässt.
Fragen Sie sich daher nicht, ob in Ihrem Unternehmen die Unterstützung durch einen Interim CFO grundsätzlich sinnvoll ist. Denn da ist die Antwort klar: Ja. Fragen Sie sich eher: Sind wir in der Lage, die Zukunft der Firme noch aktiv zu gestalten und Veränderungen zu planen? Oder reagieren wir nur noch und passen auf, dass die Veränderungen uns nicht mitreißen?

Bild: © Towfiqu Barbhuiya/Unsplash
Was ist der Vorteil, wenn man früh einen Interim CFO an Bord holt?
Gerade in wirtschaftlich angespannten Zeiten muss sich die Finanzabteilung weiterentwickeln. Hier auf der Bremse zu stehen, geht zu 99% nach hinten los. Das betrifft nicht nur die Zahlen im Reporting, sondern auch die Strukturen, Prozesse und die Steuerungslogik.
Ein früher Einsatz eines Interim CFO bringt viele Vorteile mit sich: Zu allererst die Außensicht, gepaart mit jahrelanger Erfahrung. Der Interim Manager schaut sich interne Strukturen und Abläufe an und strafft sie. Projekte werden analysiert und neu aufgesetzt.
Wenn man sehr spät – oder zu spät – einen Interim Manager ins Unternehmen holt, muss dieser „Feuerwehr spielen“. Das bedeutet: Die Interim-Phase ist intensiver, länger, teurer und bringt mehr unangenehme Nebenwirkungen mit sich.
Die eigentliche Frage ist daher weniger „Brauchen wir jemanden?“, sondern vielmehr „Wieviel kostet es mich, noch länger zuzuwarten?“.
Weiter informieren: Was kostet ein interimistischer CFO?

Über den Autor: Oliver Strass ist Interim Manager und CFO mit über 20 Jahren Erfahrung im Finanzbereich. Er ist seit mehr als einem Jahrzehnt in leitenden Interim-Mandaten tätig. Darüber hinaus ist er Autor verschiedener Fachpublikationen zu Finanzmanagement, Controlling und Unternehmenssteuerung sowie Mitgründer und Partner der Sozietät dieSaremas.




