Wenn in einem Unternehmen die Liquidität ins Rutschen gerät, entsteht sofort enormer Druck, und zwar auf allen Ebenen:
Auf der einen Seite stehen die Lieferanten, die ihre Zahlungen einfordern. Oft verkürzen sie Zahlungsziele und gewähren keine Skonti mehr. Davon sind dann auch die Absatzmärkte betroffen: Zahlungsengpässe können die Lieferfähigkeit einschränken, etwa wenn Vorprodukte nur gegen Vorkasse verfügbar sind. Auf der anderen Seite gibt es die Finanzierungspartner, die Banken, die sensibel reagieren.
In familiengeführten Unternehmen stehen häufig private Vermögensfragen im Raum. Die Eigentümer müssen entscheiden, ob sie zusätzliches Kapital zuführen oder Haftungsrisiken erhöhen. Liquiditätsengpässe greifen hier direkt in die Vermögensstruktur der Familie ein. Auch unternehmensintern wächst die Anspannung, weil der finanzielle Spielraum schwer einschätzbar ist.
Liquiditätsprobleme sind daher mehrdimensional. In einer solch sensiblen Phase entscheidet sich, ob ein Unternehmen aktiv gesteuert wird oder sich treiben lässt.
Liquidität kurzfristig sichern ist ein Führungsthema
Liquidität bestimmt, ob Löhne pünktlich bezahlt werden, ob Lieferantenbeziehungen stabil bleiben und ob unternehmerisch notwendige Maßnahmen umgesetzt werden können. Gerade in Phasen von wirtschaftlich dynamischen Entwicklungen, wie wir sie derzeit durchleben, steigt die Kapitalbindung, während Zahlungsziele und Investitionen nicht pausieren.
Typische Auslöser für Engpässe sind:
- starkes Wachstum mit steigender Kapitalbindung,
- verzögerte Zahlungseingänge,
- hohe Lagerbestände,
- Investitionen ohne passende Finanzierungsstruktur,
- Restrukturierungs- oder Integrationsphasen.
- Rückgänge bei den Aufträgen sowie
Ohne aktives Management, ohne professionelle Führung entsteht schnell ein Ungleichgewicht.
Liquidität kurzfristig sichern: Die ersten Schritte zur Stabilisierung
Im Fall von Liquiditätsproblemen ist der wichtigste Punkt, die Situation richtig einzuordnen.

Für mich als Interim-Manager steht am Anfang eine präzise Aufstelllung aller verfügbaren Mittel und Verpflichtungen eines Unternehmens.
Dazu gehören sämtliche Konten, Kreditlinien, fällige Verbindlichkeiten und realistische erwartbare Zahlungseingänge.
Ein rollierender Liquiditätsstatus über einen Zeitraum von etwa 13 Wochen schafft Transparenz über Engpässe und Handlungsspielräume.
Statt auf das sprichwörtliche „Bauchgefühl“ zu hören, ist es wichtig, die Fakten auf den Tisch zu legen und sichtbar zu machen, an welchen Stellen gegengesteuert werden muss.
4 konkrete Tipps, wie Sie Liquidität kurzfristig sichern
Haben Sie erst die Situation richtig analysiert, lassen sich konkrete Maßnahmen ableiten:
- Working Capital gezielt optimieren
Forderungen sollten konsequent nachverfolgt und Zahlungsziele überprüft werden, Anzahlungen verhandelt und Lagerbestände kritisch analysiert. - Zahlungsströme priorisieren
Nicht jede Zahlung ist gleich dringend. Eine klare Priorisierung kann Freiräume schaffen. - Finanzierungsspielräume prüfen
Bestehende Kreditlinien, Factoring-Modelle oder Sale-and-Lease-Back-Strukturen können gezielt eingesetzt werden. - Kostenstruktur anpassen
Was sind variable und verschiebbare Ausgaben? Welche Investitionen sind wirklich notwendig und wann sind sie zu tätigen?
Entscheidend ist die Koordination dieser Schritte. Einzelmaßnahmen ohne einen guten Gesamtüberblick führen häufig zu neuen Engpässen an anderer Stelle. Ein strukturiertes Liquiditätsmanagement verbindet Analyse, Priorisierung und Umsetzung in einem durchgängigen Prozess.
Welche Rolle spielt der Interim-CFO in der Liquiditätssicherung?
In finanziell angespannten Situationen fehlen intern oft die Kapazität und/oder die Erfahrung, um ein solches strukturiertes Liquiditätsmanagement sauber aufzusetzen. Anders gesagt: Es ist dies genau der richtige Zeitpunkt, einen erfahrenen Interim-CFO die Verantwortung übernehmen zu lassen:
- Er analysiert die Ausgangslage,
- bewertet Risiken und
- entwickelt das für das Unternehmen passende Steuerungsmodell.
Gemeinsam mit der Geschäftsführung legt er Prioritäten fest und sorgt für eine klare Aufgabenverteilung im Finance-Team. Gleichzeitig übernimmt er die Kommunikation mit Banken und Eigentümern, um deren Vertrauen zu sichern und die Stabilität zu behalten.
Der CFO als Navigator: Unsicherheiten im Unternehmen entstehen vor allem durch eine fehlende Orientierung seitens der Führung. Ein transparenter Liquiditätsplan, festgelegte Entscheidungswege und eine konsequente Umsetzung der Maßnahmen reduzieren etwaige Spannungen erheblich.
Das Unternehmen gewinnt wieder Kontrolle über seine Zahlungsströme und damit über seine strategischen Optionen.
Prävention statt Feuerwehr
„Nachher ist man immer schlauer“, lautet ein altes Sprichwort. In der Wirtschaft ist es ebenso: Unternehmen, die einmal in eine Liquiditätskrise geraten sind, investieren danach meistens in dauerhafte Steuerungsinstrumente.
- Integrierte Planungsmodelle werden dauerhaft verankert
- Szenarioanalysen werden durchgeführt
- regelmäßige Forecast-Updates werden etabliert
- Vertrieb, Einkauf und Finance werden enger verzahnt und sorgen dafür, dass Risiken frühzeitig sichtbar werden.
Das Liquiditätsmanagement entwickelt sich vom unternehmerischen „Feuerlöscher“ zu einem fixen Bestandteil der Unternehmenssteuerung.
Lesen Sie meine Publikation im QUANTUM-Magazin (Ausgabe “Asset Noir”) zum Thema „Working Capital ist die ungenutzte Finanzquelle im eigenen Haus.“




